Uwe Andree - Künstler und Transylvanier


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Aufschlussreicher Hochzeitsteller

:: Transsylvania


Beitrag zur Trachtenforschung: Aufschlussreicher Hochzeitsteller

Dr. Erhard Andree, Museumsleiter

Gemessen an der bedeutenden Anzahl bildhafter Wiedergaben von trachtenkundlichen Elementen, die sich auf Ölbildern, Wandmalereien und Kunstgegenständen anderer Landstriche vorfinden, ist der für Siebenbürgen bisher nachgewiesene Bestand verhältnismäßig arm. Wir findenTeile der Tracht sächsischer Bürgerfrauen auf einem in Hermannstadt befindlichen Altarbild, das aus dem 15. Jahrhundert stammt, und dann klafft eine ziemliche Lücke, die bis zum 17. Jahrhundert reicht, um für das 18. Jh. eine manigfaltige Schau von Trachten verschiedener Gesellschaftsschichten zu bieten.

Eine interessante, dokumentarisch wertvolle Darstellung der sächsischen Braut- und Bräutigamstracht aus der Umgebung von Schäßburg findet sich auf einem sogenannten "Hochzeitsteller" aus Zinn, aus der Mitte des 16. Jh. stammend.

Dieser Teller mißt 28 cm im Durchmesser und trägt, eingerahmt von einem Lorbeer-Doppelkranz und zwei Weintrauben tragender Rebstöcken, das Bild eines sächsischen Brautpaares: zwischen den beiden Gestalten befindet sich, symbolisch, der Pokal dargestellt, mit welchem die Braut "vertrunken" ward, d. h. anlässlich der Verlobung der Trunk, der diese Verbindung bekräftigte, vorgenommen wurde.

Der Hersteller dieses Tellers ist der Zinngiesser Mechel Zultner aus Schässburg, in Zunftakten zeitweilig auch "Czultner" geschrieben, der 1548 als jüngerer Zunftmeister vorkommt.

Auf der Rückseite des Tellers ist außer dem Meisterzeichen M. Z. auch das alte Schässburger Stadtwappen eingeprägt: der zinnengekrönte Torturm, der sich auf der Türe der Bergkirche, 1495 datiert, befindet, welches Torwappen dann später durch einen im Tor aufrecht stehenden Löwen ergänzt wurde.

Die Wiedergabe der Zierornamente, der beiden Rebstöcke, ist sehr sauber durchgeführt. Das Brautpaat, das sich gegenüber steht, die Hände reicht, die Braut trägt einen Blumenstrauss in der Hand, oberhalb desselben der Pokal dargestellt ist, wurde nun in alle Details liebevoll in das Metall des Tellers eingraviert, so daß dem Betrachter alle Einzelheiten der Tracht offenbar werden.

So ist in der Kleidung der Braut der bebänderte Borten, das bestickte Blusenhemd mit dem Patzel auf der Brust, das Mäntelchen (gefälteter. schwarzer Umhang) und das an dem Metallgürtel befestigte Seidentuch kenntlich, welches über die am Rande gestickte Schürze herabfällt, die einen, einfärbigen (hellen) Busenkittel verdeckt. Die Fußbekleidung sind Stiefel.

Der Bräutigam trägt den breitkrämpigen Hut, der für die Schässburger Gegend bis vor einigen Jahrzehnten kennzeichnend war, man sieht die Haartracht der Männer, das Haar reicht bis tief in den Nacken.

Die Halsbinde tritt aus dem Brustausschnitt des Mantels hervor, es ist das "Halstuch", welches in zwei Zipfel ausläuft. Der lange, weitgeschnittene Mantel ist aus Tuch, mit metallenem Zierat (Heftel als Schliessen, Silber) versehen und die Fussbekleidung Stiefel.

Diese Darstellung der männlichen Überkleidung, des Mantels, deckt sich mit der von einigen Forschern vertretenen Ansicht, daß der buntbestickte "Kirchenpelz" ein späteres Attribut der männlichen Festbekleidung wurde, als solcher also erst später in Erscheinung tritt.


"Volkszeitung" Kronstadt, Nr.: IX/749, v. 30.05.1967

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