Uwe Andree - Künstler und Transylvanier


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Das Lebensbaummotiv

:: Transsylvania


Das "Lebensbaummotiv" auf Erzeugnissen siebenbürgischer Volkskunst

Dr. Erhard Andree, Museumsleiter

Die Verwendung des Lebensbaummotivs als Zierkunst auch auf Gebrauchs-gegenständen ist in Siebenbürgen de Eigenüberlieferung angepasst und wird auch heute noch auf Leinenstickereien verwendet, wobei die Vorlagen der "Sigerus-Mappen" als Vorbild dienen.

Da die Art der künstlerischen Gestaltung fast ausschliesslich bauerntümlich ist, geht von diesen Erzeugnissen echter Volkskunst ein besonderer Zauber aus, es wird dem Betrachter eine abgerundete Harmonie vermittelt, die jeder Aufdringlichkeit entbehrt.

Während über das Vorkommen des Lebensbaummotivs auf Textilien, Schmuckgegenständen und Krügen öfters geschrieben wurde, ist das Gebiet der Möbelmalerei und der Ofenkacheln aus Keramik noch nicht diesbezüglich untersucht worden.

Wir haben auf bemalten Bauernmöbeln, insbesondere solchen, die während der Zeit des Barocks entstanden sind, überaus reiche Schätze an Ornamenten, in denen der Lebensbaum, stilisiert, vorkommt - häufig als überaus prächtiges und farbenfreudiges "Blumenstück", wobei der Strauss aus der doppelhenkligen Vase herauswächst, dann aber auch kombiniert mit Obststücken, wobei die Weinfraube den Vorrang hat.

Auf beiden Tafeln der hier abgebildeten Türe einer Barockalmerei aus Schönberg (in Braller erzeugt), sind die beiden Beispiele belegt. Wahrhaft künstlerisch ist die Anordnung der Motive in der Eiche: die Leisten sind mit einem hellen Grün bemalt und in die Falzen Rot hineinkomponiert.

Aber auch das Vorkommen des Lebensbaummotivs auf aus Ton gebrannten Ofenkacheln ist äusserst interessant. Während einige Töpfer die Zeichnungen des Lebensbaumes auf die Gesamtfläche des Ofens verteilten und die Motive in Kobalt auf hellem, gelblich-weissem Grunde sich abzeichneten (Keisd), finden wir bei den Töpfern des Harbachtales den stilisierten Lebensbaum auf jeder einzelnen Kachel. Sprossen, Ranken, Blumen (Tulpe und stilisierter Granatapfel) und doppelhenklige Vase sind bei den grünglasierten Kaqheln einfärbig, während auf den weissglasierten Kacheh die Zeichnung des Motives in Kobalt erlolgt.

Auch hier ist die Flächenausnützung in meisterhafter Weise gelöst, es herrscht keine sinnstörende Stümperei, selbst wenn in die Blumenmotive geometrisches Zierwerk hineinkomponiert ist. Diese Kacheln wurden in Holzmodeln gepresst. Von den zwei Arten des Lebensbaumes, des hellenistischen und des sasanidischen (iranischen), überwiegen bei den uns bekannt gewordenen Stücken die ersteren, was auch aus einigen charakteristischen Ofenkacheln aus dem Harbachtal hervorgeht.

Es sind uns auch Kacheln vorgekommen, grünglasiert, auf welchen der iranische Lebensbaum auf Grund alter Hakenornamente geometrisch stilisiert erscheint, die Ornamente mit einem hellen Blaugrün sich von dem dunkelgrünen Hintergrund abheben.

Wenn auf den Erzeugnissen der Volkskunst, auf Textilien, Schmuck der iranische Lebensbaum vorherrscht, so ist dieses wohl darauf zurückzuführen, daß dieser früher verbreitet wurde, auch im Herkunftsgebiet der deutschen Kolonisten Siebenbürgens während des 12. und 13. Jahrhunderts schon sehr üblich in der Darstellung auf Gebrauchsgegenständen aller Art war, während der hellenistische Lebensbaum erst später durchdrang, den sasanidischen (iranischen) dann zu verdrängen begann, was bei unseren Ofenkacheln (die auf eine jüngere Tradition zurückgehen) nun sehr klar auch auf diesem geographisch begrenzten Herstellungsraum in Erscheinung tritt.


"Volkszeitung", Kronstadt, Nr.:XI/808, v. 19.12.1967

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