Uwe Andree - Künstler und Transylvanier


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Harbachtal

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Trachtenlandschaft Harbachtal

Dr. Erhard Andree, Museumsleiter

Trachtenkundlich ist das Harbachtal bis nach der Gründung unseres Museums nie bearbeitet worden. Es mag dieses wohl auch an der Isoliertheit dieses Geländes gelegen haben, welches erst in den Jahren der Volksmacht verkehrstechnisch intensiv zu erschließen begonnen wurde.

Im Volksmund als "Haferland" bekannt, grenzt das Harbachtal im Westen an die Hermannstädter; im Osten an die Repser und im Norden an die Kokeltaler Trachtenlandschaft: und ist typologisch in drei distinkte Zonen abzugrenzen, welche jeweils ihre eigenen spezifischen Charakteristiken besitzen.

Die erstgenannte Trachtenzone dieser Landschaft ist der sogenannte "Kampestwänkel" (deutsch: "Krautwinkel" ) und enthält zugleich das älteste und echteste Trachtengut.
Die Gemeinden Braller, Martinsberg, Tarteln, Gürteln und Kirchberg sind in diesem engeren Begriff umfaßt.
Ihre bisher sehr vereinsamte Lage ließ altes Brauchtum in Tracht und Sitte länger bewahren als anderswo.

Alte Einfachheit gibt der Tracht noch das Gepräge. Der sogenannte "Krause Mantel" wird hier nur von den Frauen getragen, die Mädchen begnügen sich mit dem "Dredich" (Handtuch), einem Schulterumhang aus schmal zusammengelegter Leinwand. Das Heftel steht bloß der Braut und den beiden Brautmädchen zu, welche allein auch nur die seidenen Gürteltücherer tragen.

Der seltene Gebrauch des Spangengürtels ist ein deutliches Zeichen daß sich unser "Haferland" nicht mit dem reichen Weinland oder gar mit den wohlhabenden Dörfern um Hermannstadt oder gar denen des Burzenlandes messen konnte.

An der alten Faltenstickerei wird festgehalten, ebenso an der Bockelung - hier "gemökelt" - während man das weiße Knüpftuch immer seltener zu Gesicht bekommt, meistens nur noch gelegentlich der Aufbahrung alter Frauen.

Die Männertracht zeichnet sich hier durch den kurzen "Daleman" für Burschen und das lange "Mente" für Männer aus. Die Mente trägt der Bräutigam an seinem Ehrentage, über den Daleman gehängt und mit bunten Bändern geschmückt.

Der Marderhut ist verschwunden und der großrandige, schwarze Bauernfilzhut wird auch immer seltener. Daleman und Mente - dunkelblau oder schwarz - tragen rote oder violette Aufschläge am Ärmel, mit Goldverschnürung.

Die Brust ist schwarz verschnürt und am Rande der Vorderteile sind sie mit einer Reihe enganliegender länglicher Knöpfchen versehen.

Die Männertracht des Kampestwänkels entspricht bei völlig anderem äußeren Aussehen im Wesen derjenigen um Hermannstadt und der im Unterwald, doch finden wir den Daleman auch im oberen Harbachtal und in Leschkirch.

Die zweite Trachtenzone des Harbachtales ist die des oberen Harbachtales. In der nördlichsten dieser Gemeinden, Henndorf, ist der krause Mantel, der Kürschen , das Heftel und auch das Gürteltuch aus der Frauen- und Mädchentracht verschwunden.

Das Bockeln wird in diesemTeil "schliggern" genannt. Eine Besonderheit bilden hier die im Schässburger Gelände läufigen nicht gereihten., sondern besticken oberen Vorderteile der Frauenhemden, "Uelink" genannt.

In Neustadt und Schönberg wird anstatt des malerischen Kürschen von den Frauen ein halbstädtischer langer Mantel benützt, der nur umgehängt wird und dessen überlange Ärmel nie angezogen werden. Gebräuchlich ist noch ein pelzverbrämtes Häubchen, welches an den "Kronstädter Hut" erinnert.
Eine Besonderheit ist hier noch festzustellen: bei der Bockelung wird unter das "gestickte" Bockelhäubchen keine hohe Unterlage gelegt, sondern bloß ein leicht zusammengestecktes Tuch (der "Nuoldenkranz" - Nadelkranz), in welchen dann die Bockelnadeln gesteckt werden.

Es ist dies ein Hinweis auf die Nähe des Kokeltales, mit seiner Art von Bockelung.

In der Männer- und Burschentracht dieser Zone finden wir neben Daleman und Mente den bestickten Männerpelz, ähnlich wie er in der Schässburger Gegend üblich ist.

Die Tracht der dritten Zone, der in den Gemeinden des unteren Harbachtales gebräuchlich ist, wird von der Hermannstädter Trachtenlandschaft stark beeinflußt.

Der Kürschen ist in einigen Gemeinden (in Marpod) schon seit längerer Zeit abgekommen und das Heftel trägt hier auch nur die Braut, Spangengürtel und Gürteltücher sind hier unbekannt.

Dabei wird heute noch, an der Werktagskleidung, das "Gereisel" an den Hemden angewandt.

Die Bockelung nennt man hier "muckeln" und zum Unterschiede von den anderen Trachtenzonen dieser Landschaft werden verstorbene Frauen nicht im weißen Knüpftuch begraben, sondern, im Sarge liegend, uraltem Brauche folgend, "gemuckelt".

Die Frauentracht des unteren Harbachtales ist durch viele bunte Farben belebt, während in den Gemeinden am oberen Harbach schwarz- weißes vorherrscht.

Agnetheln, das geographische Zentrum des Harbachtales, hat seine Tracht leider aufgegeben.

Berühmt sind die Agnethler Frauenschürzen, die auf weißem Tüllgrund feinste Nadelarbeit zeigen, unter dem Namen "Agnethler Sternchen" bekannt geworden.

Kennzeichnend ist übrigens für das gesamte Harbachtal neben der "Handangearbeitet" die sogenannte Lochstickerei, die in anderen Gegenden an Trachtenstücken kaum auftreten.

Gegenseitige Einflüsse der beisammenlebenden Nationalitäten sind im Harbachtal auch vorhanden; die Pelztracht ist zum Beispiel, außer dem Schnitt und den gestickten Motiven, von den Rumänen entlehnt worden.

Dalemann und Mente zeigen den Einfluß der einstigen ungarischen Adelstracht, welche über die Bürgertracht allgemein auf das Land gelangte.

Gänzlich abgekommen sind die handgewebten "Panura"- Stoffe für Reisemäntel und werden immer seltener zur Anfertigung von Männer- Werktagskleidern verwendet.

Selten finden wir dann auch die "Zundra" und die "Sake", weiße Schafwollmäntel geradlinigen Schnittes.

Abgekommen ist der früher getragene breite Ledergürtel der Männer, der "Scherpaer", welcher mit eingepreßten Motiven versehen war, zeitweilig auch bunte Näharbeit aufwies.

Wir finden in Schönberg, aber auch in Jakobsdorf, beide Ortschaften im oberen Harbachtal gelegen, in der Frauentracht zeitweilig, aber bereits in mehreren Genera-tionsfolgen vererbt, den Otterfellmantel.

Welche Zusammenhänge hier eventuell mit der als "malotea" bekannten Männertracht der Kronstädter Rumäninnen bestehen, ist uns unbekannt und müßte Aufgabe zukünftiger Forschung bleiben.


(Artikel aus "Volkszeitung", Kronstadt, Jahrgang? )

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