:: Transsylvania
Runen, Tonscherben und Lokomobil
Ein Blick ins Harbachtalmuseum
Dr. Erhard Andree, Museumsleiter
Das Rayonsmuseum für Geschichte in Agnetheln konnte bereits anläßlich seiner Eröffnung im Mai 1961 den Besuchern einen geschlossenen Überblick über den geschichtlichen Entwicklungsgang dieser Landschaft während aller Zeitepochen und Gesellschaftsordnungen bieten.
Das Bewußtsein des geschichtlichen Zusammenhanges der Vergangenheit mit der Gegenwart wurde gefördert, indem fortschrittliche Themen der Ortsgeschichte popularisiert wurden. Die Zugänge zu den Beständen des Museums haben interessante Zusammenhänge dokumentiert.
Ein Kultstein-Fragment aus der Jungsteinzeit, dann ein aus einem solchen Kultstein während der Völkerwanderung hergestellter Grabstein mit kumanisch-petschenegischer Runenschrift, beide in Agnetheln gefunden; dakische Gefäßbruchstücke aus der Zeit vom 1. bis 2. Jh. vor unserer Zeitrechnung ergänzten die Kenntnis über die bereits 1958 nachgewiesene dakische Ansiedlung auf dem gegenwärtigen Stadtgebiet.
Auch hat sich der volkskundliche Sektor unserer Sammlungen um wertvolle Exponate bereichert. Geräte für Hau- und Feldwirtschaft, Trachtenstücke, Gebrauchs- und Zierkeramik kamen hinzu.
Die Kollektion "Michael Barner, akademischer Maler (1881-1961)" konnten wir durch interessantes Skizzenmaterial mit Silberstift- und Kohlezeichnungen aus seiner Studienzeit in Budapest und Rom, mit Aquarellen und einigen Ölgemälden erweitern, was uns Anlaß zu einer retrospektiven Schau bot, die im Museum organisiert wurde.
Viel ist über den dokumentarischen Wert der über 10000 Titel, die in der Bibliothek unseres Museums zusammengetragen sind, berichtet worden, zumal sich unter den über 500 seltenen Drucken vieles befindet, was immer Anlaß zu Besuchen und arbeiten namhafter Forscher bietet. Auch diese Bibliothek erfuhr wertvolle Bereicherung durch eine größere Anzahl seltener Druckwerke, und ihre weitere Ausgestaltung ist unser besonderes Anliegen.
Dieser in vielfacher Hinsicht anonym gebliebener Landschaft zur Erschließung zu verhelfen, ist der monographische Zettelkatalog, nach Ortschaften und Themen angeordnet, angewiesen. So besitzen wir, nach Ortschaften und Jahrhunderten übersichtlich zusammengetragen, einen Überblick über das Töpfergewerbe in unserem Rayon.
Auch sei das reichhaltige Bildmaterial der Photothek erwähnt, oder unser Bestreben um einen aktiven Naturschutz, der sich um die Erhaltung seiner Flora- und Faunastellen bemüht.
Neuerlich wurde die Abteilung "Moderne Geschichte" reorganisiert, durch neue Exponate ergänzt. Es wird nun dem Besucher der Übergang von der Manufaktur zur industriellen Produktion auch anhand von wirksamen Anschauungsmaterial dargelegt: Das Modell einer Dampflokomobile, die 1860 die Mechanisierung einleitete, der Kopf einer Elias-Howe-Nähmaschine, um 1870 hier eingeführt, usw.
Enge Zusammenarbeit mit den Forschern vieler Institute unserer Akademie der Wissenschaften, des Brukenthal- und Regionalmuseums Kronstadt hilft uns, die großen Zusammenhänge zu erkennen und dadurch mitzuhelfen, die schätze der Vergangenheit zu heben und der wissenshungrigen jungen Generation als Rüstzeug zur Verfügung zu stellen.
Die Anzahl der Besucher aus allen Ecken und Enden unserer Heimat, das wachsende Interesse, welches die unser Land besuchenden Touristen unserem Museum entgegenbringen, die an Zahl zunehmenden schriftlichen Ansuchen nach ausführlichem Dokumentarmaterial zeigen uns, daß unser Dokumentarzentrum Maßstäbe erreicht hat, die erkennen lassen, daß dieses Museum dem ihm gesteckten Ziel immer näher kommt.
Artikel aus der "Volkszeitung, Kronstadt, IX, Nr.:541/4.06.1965