Uwe Andree - Künstler und Transylvanier


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Weil wir uns lieben II

:: Bio

Weil wir uns lieben, haben wir es geschafft

Georgeta und Uwe Andree, geb. 1960


Ich war stumm, musste bei Null anfangen und fühlte mich vom Leben ausgeschlossen. Mein erster Besuch bei Wertkauf war schlimm. Ich habe angefangen zu weinen. Warum gibt es hier so viel und bei uns gar nichts? So ein Überfluss. Am liebsten hätte ich einen ganzen Zug vollgepackt und nach Rumänien geschickt. Von den Freunden meines Mannes wurde ich sehr herzlich aufgenommen, aber eigene Freunde fehlten mir. Auch den Humor verstand ich nicht. Nur weil wir uns so gut verstehen und stark lieben, haben wir es gemeinsam geschafft.

Als Rumänin, die einen Ausländer heiratete, musste ich die rumänische Staatsbürgerschaft abgeben. Ich war nunmehr staatenlos und wurde in Deutschland vom Ausländeramt zum Sozialamt geschickt. Dort hat man mich auf den IB hingewiesen. Hier habe ich große Unterstützung erfahren von Lena und Iris, sowohl menschliche wie praktische Hilfe. Nach Deutschkursen im IB habe ich bei der Firma IWKA eine Anstellung als Schweißerin bekommen, auch dies mit Hilfe des IB. Iris begleitete mich beim Vorstellungsgespräch und half mir mit der Sprache. Trotz guter Bezahlung wollte ich nach fünf Jahren eine andere Beschäftigung, Ich habe eine Umschulung zur Zahntechnikerin gemacht. Seit fünf Jahren arbeite ich bei einem Kieferorthopäden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind international, Probleme wegen meiner Herkunft kenne ich nicht.

Unserem Sohn von zwölf Jahren geht es gut. Er macht uns keine Sorgen, nur Freude. Er ist das Wichtigste in unserem Leben. Hier leben wir in Freiheit, die uns viele Möglichkeiten bietet, uns weiterzuentwickeln. Wir wollen unserem Sohn eine gute Ausbildung geben, wir können reisen. Dies ist ein Reichtum an sich. Aber uns ist es auch sehr wichtig, den Blick für Rumänien nicht zu verlieren, nachdem wir hier sind und beide Geld verdienen. Mit Paketen und auch Geld versuchen wir zu helfen. Wir wollten auch ein Patenkind annehmen von dort. Doch die Organisation erschien uns nichr vertrauenswürdig, deswegen haben wir uns für ein Kind aus Bolivien entschieden. Wir wollen unsere Hilfe gleichmäßig verteilen. Wenn Lena etwas für den IB braucht, versuchen wir gerne zu helfen, denn ohne sie und weitere Mitarbeiterinnen wäre es uns anfangs schlecht gegangen.

Inzwischen bin ich froh, in Deutschland zu leben, denn die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich unter dem Regime von Ceausescu in den achtziger Jahren dramatisch. Für die Rumänen ist es ein großer Verlust, dass die Deutschen nicht mehr da sind. Fast alle sind weg, und es geht kaum jemand zurück. Die Deutschen in Rumänien waren sehr begabte und fleißige Handwerker, und viele wohnten in eigenen Häusern. Ihre kulturelle Eigenständigkeit wurde jedoch immer mehr beschnitten.
Seitdem ich die Sprache gelernt habe, kann ich mich und meine Gefühle ausdrücken. Dadurch fühle ich mich hier akzeptiert. Wenn ich so sein kann wie ich bin, dann finde ich meine Identität wieder."


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